6.4 Leitlinien: Erkrankungen des Mediastinums

Stand: 22.09.1999

 
6.4.1 Präoperative Diagnostik

Allgemein:

Aufnahmeuntersuchungen (siehe Kapitel 2.1).
Röntgen:
Thorax in 2 Ebenen.
Thorakales Spiral-CT.
fakultativ:
MRT.
Lungenfunktion.


Speziell:

V. cava superior-Syndrom bei Verdacht auf maligne Ursache:

Sofortige Vorstellung des Patienten in der Klinik für Strahlentherapie zur Bestrahlung mit hohen Einzeldosen.
Biopsie zur pathohistologischen Klärung der zum V. cava superior-Syndrom führenden Raumforderung nach Absprache mit dem Konsiliarius der Klinik für Strahlentherapie.

Folgendes Therapieschema wird empfohlen:

Strahlentherapie

Gesamtdosis

Fraktionierung

Bestrahlungsfeld

25 Gy
oder
30 Gy

5 x 5 Gy / Woche
 
13 x 3 Gy / Woche

Tumorbereich + 2 cm Sicherheitsabstand
 
Tumorbereich + 2 cm Sicherheitsabstand


Chronische Mediastinitis:

Röntgen:
MRT.
Gegebenenfalls:
Angiographie der V. cava superior.
Bioptische Sicherung durch Mediastinoskopie oder transbronchiale Biopsie.


Mediastinaltumore:

Bioptische Sicherung durch CT-gestützte Punktion.


Thymus bei Myasthenie:

Neurologisches Konsil.
Weiterführende Diagnostik entsprechend Konsilempfehlung und Studienprotokoll.


Thymustumoren:

Bei Verdacht auf Lymphom:
Bioptische Diagnosesicherung entsprechend der Lokalisation des Tumors durch:
Perkutane (offene, parasternale) Biopsie.
Mediastinoskopie.
Thorakoskopische Biopsie.
Bei allen übrigen Thymustumoren:
Keine weitere Diagnostik. Die Dignität wird durch die Operation geklärt.


Bei Studienpatienten

Siehe entsprechendes Studienprotokoll.


 
6.4.2 Operationsvorbereitung

Präoperative Maßnahmen (siehe Kapitel 2.1).
Patientenaufklärung (siehe Kapitel 6.4.4).
Perioperative Antibiotika-Therapie (siehe Kapitel 2.3).
Präoperative Darmvorbereitung (siehe Kapitel 2.4).
Thromboseprophylaxe (siehe Kapitel 2.5).
Präoperative Physiotherapie.

 

6.4.2.1 Präoperative (neoadjuvante) Chemo- und/oder Radiotherapie

Eine präoperative Chemo- und/oder Radiotherapie ist nicht indiziert.


 
6.4.3 Standardoperationen

Bei akuter Mediastinitis mit unbekanntem Erregerspektrum:

Claforan®, bis das Ergebnis der Austestung vorliegt.

 

6.4.3.1 Mediastinalemphysem

OI:  Mediastinalemphysem mit oberer Einflussstauung.
SO:  Kollare Mediastinotomie.

 

6.4.3.2 Entzündliche Erkrankungen des Mediastinums

Akute (diffuse) Mediastinitis:
Behandlung des Grundleidens (z. B. Ösophagusperforation).
Antibiotikatherapie.
OI:  Akute abszedierende (nekrotisierende) Mediastinitis.
SO: 
Behandlung des Grundleidens.
Drainage (und Debridement) des:
vorderen oberen Mediastinums:
über kollare Mediastinotomie,
mittleren und hinteren Mediastinums:
über Thorakotomie,
vorderen unteren Mediastinums:
über subxyphoidale Mediastinotomie.
OI:  Symptomatische chronische granulomatöse Mediastinitis.
SO:  Enukleation oder Kürettage der Granulome/Lymphknoten entsprechend dem betroffenen Kompartiment des Mediastinums.

 

OI: 

Symptomatische chronische fibrosierende Mediastinitis.

SO: 

Kein Standardeingriff.
Individuelles Vorgehen entsprechend der Lokalisation des obstruierenden Prozesses:
z. B. Ersatz oder Bypass der V. cava superior durch PTFE-Prothese; trachealer Stent; Lungenresektion, Ösophagus-Bypass oder -Ersatz.


6.4.3.3 Thymus bei Myasthenie

Klassifikation der Myasthenia gravis nach Ossermann:

Typ I:  Okuläre Myasthenie.
Typ II:  Leichte generalisierte Form.
Typ III:  Schwere generalisierte Form mit Beteiligung der Atemmuskulatur.
Typ IV:  Spätform mit generalisierter Symptomatik, die in 2 Jahren aus Typ I entstanden ist.
Typ V:  Defektmyasthenie, Entwicklung aus Typ II oder III.
   
OI:  Myasthenia gravis Stadium I, IIa, IIb, III.
SO:  Thorakoskopische Thymektomie.
 
Alternative:
Transsternale Thymektomie.


6.4.3.4 Benigne und maligne Mediastinaltumore

6.4.3.4.1 Pathohistologische Klassifikation

Mediastinale Zysten:

Mesenchymale Tumoren:

Lymphangiome:
Lymphangiomatose.
Lymphangiomyomatose.
Hämangiome und andere Gefäßtumoren.
Lipome und andere Fettgewebstumoren.
Sonstige Raumforderungen:
Fibrosarkom.
Malignes fibröses Histiozytom.
Rhabdomyom, Rhabdomyosarkom.
Leiomyom, Leiomyosarkom.
Mesenchymom.
Osteogenes Sarkom.
Chondrosarkom.

Neurogene Tumoren:

Tumoren des peripheren Nervensystems:
Neurofibrom.
Neurolemmom.
Neurosarkom.
Tumoren des autonomen Nervensystems:
Ganglioneurom.
Ganglioneuroblastom.
Neuroblastom.
Tumoren der Paraganglien:
Phäochromozytom.
Paragangliom.

Thymustumoren:

Gutartige Thymome:
großzellig/epitheloid/spindelzellig (jeweils mit oder ohne lymphozytäre Assoziation).

Klassifikation der Thymome nach Levine u. Rosai:
Maligne Thymome: Kategorie I:
ohne zytologische Kriterien der Malignität/örtlich aggressiv/infiltrativ, auch intrathorakal lymphogen metastasierend, aber extrem selten mit extrathorakaler lymphogener oder hämatogener Metastasierung.
Thymuskarzinome, maligne Thymome: Kategorie II:
maligne, extrathorakal metastasierende Tumoren.
Differenzierung:
epidermoid, sarkomatoid, basaloid, mukoepidermoid (bzw. Mischformen).

Klassifikation der epithelialen Thymustumoren nach Müller-Hermelink:
Medullärer Typ.
Mischtyp.
Prädominant kortikaler Typ.
Kortikaler Typ.
Hochdifferenziertes Karzinom.
Höhergradiges Karzinom.

Thymuskarzinoide.
Morbus Hodgkin des Thymus.
Thymushyperplasie.
Thymuszysten.
Thymuslipom.


Endokrine Tumoren

Struma endothoracica vera und falsa.
Nebenschilddrüsenadenom, -hyperplasie, -karzinom.


Keimzelltumoren

Seminome.
Nichtseminomatöse Tumoren.
Teratome (reife, unreife, maligne).


Mediastinale Lymphadenopathien

Lymphoblastisches Lymphom.
Großzell-Lymphom des Mediastinums.
Andere nicht Hodgkin-Lymphome.
Morbus Hodgkin.
Angiofollikuläre lymphoide Hyperplasie (Castleman-Erkrankung).
Histiozytose X.

 

6.4.3.4.2 Einteilung nach Lokalisation

Vorderes Mediastinum:
Thymom.
Keimzelltumor.
Lymphom.
Lymphangiom.
Hämangiom.
Lipom.
Fibrom.
Fibrosarkom.
Thymus-Zyste.
Adenom der Parathyreoidea.
Retrosternale Struma.
Mittleres Mediastinum:
Enterogene Zyste.
Lymphom.
Pleuroperikardiale Zyste.
Mediastinales Granulom.
Lymphoides Hamartom.
Mesotheliale Zyste.
Neuroenterische Zyste.
Paragangliom.
Phäochromozytom.
Ductus thoracicus-Zyste.
Hinteres Mediastinum:
Neurilemom/Schwannom.
Neurofibrom.
Malignes Schwannom.
Ganglioneurom.
Ganglioneuroblastom.
Neuroblastom.
Paragangliom.
Phäochromozytom.
Fibrosarkom.
Lymphom.

 

6.4.3.4.3 Stadieneinteilung der Thymome nach Masaoka

Stadium I:  Makroskopisch vollständig von einer Kapsel umgebener Tumor. Mikroskopisch keine Zeichen einer Kapselinvasion.
Stadium II:  Thymom mit makroskopischer Invasion in das umgebende Fettgewebe oder die mediastinale Pleura oder mikroskopische Invasion in die Kapsel.
Stadium III:  Tumor mit makroskopischer Invasion in benachbarte Organe (Perikard, große Gefäße, Lunge).
Stadium IV:  Tumor mit pleuraler oder perikardialer Dissemination, lymphogene oder hämatogene Metastasen.

 

6.4.3.4.4 Generelles Vorgehen

Die meisten Tumoren des Mediastinums sind benigne und asymptomatisch. Ist ihre Dignität bioptisch gesichert, ergibt sich nur in Ausnahmefällen eine Indikation zur Resektion. Erreichen sie durch ihre Größe oder Lokalisation ein symptomatisches Stadium, ist, wenn immer möglich, ihre Exstirpation mittels thorakoskopischer Technik vorzuziehen.
Maligne Lymphome werden nur bioptiert, um eine adäquate Primärtherapie (Chemo- und/oder Radiotherapie) einleiten zu können.
Die anderen mediastinalen Malignome sind relativ selten. Wissenschaftlich begründete Therapieanweisungen in Form von Standardoperationen sind deshalb nur sehr begrenzt möglich. Selbstverständlich ist bei lokal begrenzten Tumoren eine R0-Resektion anzustreben. Muss damit jedoch die Resektion von Nachbarorganen verbunden werden, ist die Operationsindikation grundsätzlich individuell und gegebenenfalls im Konsil mit den Strahlentherapeuten, Onkologen bzw. Pulmonologen zu stellen.

 

6.4.3.4.5 Thymustumoren

OI:  Gutartige Thymustumoren (Thymuslipom, Thymushyperplasie, Thymuszyste).
SO: 
Thorakoskopische Thymektomie.
Alternative:
Konventionelle (transsternale) Thymektomie.

OI: 

Thymom Stadium I.

SO: 

Konventionelle (transsternale) Thymektomie.
RE:  Resektion (wenn möglich).
Postoperative Bestrahlung, auch nach R0-Resektion des Rezidivs.

 

OI: 

Thymom Stadium II.

SO: 

Konventionelle (transsternale) Thymektomie.

AT: 

Postoperative Bestrahlung auch nach R0-Resektion.

RE: 

Resektion (wenn möglich).
Postoperative Bestrahlung (wenn nochmals möglich) oder Chemotherapie, auch nach R0-Resektion des Rezidiv.
Bestrahlung (wenn nochmals möglich) oder Chemotherapie bei Irresektabilität.

OI: 

Thymom Stadium III.

SO: 

Konventionelle Thymektomie.
Mit gleichzeitiger Resektion von:
infiltrierten, nicht vitalen Nachbarstrukturen: Pleura, Lunge (nicht Pneumonektomie), Perikard, N. phrenicus oder N. recurrens einer Seite, V. cava superior (Wandresektion und Naht oder Teilresektion und Ersatz durch PTFE-Prothese).
Mit Tumorverkleinerung bei:
infiltrierten vitalen Nachbarstrukturen: Aorta, N. phrenicus oder N. recurrens beider Seiten, Trachea, Herz, große Pulmonalgefäße
und
Clip-Markierung an den Stellen, an denen Tumor belassen werden musste.

AT: 

Postoperative Bestrahlung, auch nach R0-Resektion.

RE: 

Chemotherapie.
Thymom Stadium III nicht resektabel oder Thymom Stadium IV.
Chemotherapie.
Restaging.
Vollremission:
Keine weitere Therapie.
Teilremission:
Wenn R0-Resektion erreichbar scheint:
Resektion des Resttumors.
Postoperative Bestrahlung.
Wenn R0-Resektion nicht erreichbar scheint:
Bestrahlung.

OI: 

Lokal begrenztes Thymuskarzinom.

SO: 

Konventionelle (transsternale) Thymektomie.

AT: 

Neoadjuvante Radio-(Chemo-)Therapie.
Wenn nicht durchgeführt:
Postoperative Bestrahlung, auch nach R0-Resektion.
Fortgeschrittenes, infiltrierend wachsendes oder metastasierendes Thymuskarzinom.
Radio-(Chemo-)Therapie.

OI: 

Thymuskarzinoid.
SO: 
Konventionelle transsternale Thymektomie.
Bei Infiltration von Nachbarorganen:
Tumorverkleinerung oder Resektion von infiltrierten Nachbarstrukturen wegen meist bereits stattgefundener Generalisierung (Knochenmark-Metastasen) nur in Ausnahmefällen indiziert.

AT: 

Postoperative Radio- und/oder Chemotherapie von fraglichem Wert.

 

6.4.3.4.6 Mediastinale Keimzelltumoren

OI:  Benigne Keimzelltumoren, Teratome, Epidermoidzysten, Dermoidzysten.
SO: 

Konventionelle (transsternale oder transthorakale) Tumorexstirpation.
Gegebenenfalls unter Belassung von Restgewebe bei Verwachsungen mit benachbarten Strukturen.

 

OI: 

Auf das vordere Mediastinum beschränktes, von Nachbarstrukturen radiologisch abgrenzbares Seminom.

SO: 

Konventionelle (transsternale) Tumorexstirpation.

AT: 

Grundsätzlich postoperative Radiotherapie.
Chemotherapie individuell abklären.
Seminome, die das vordere Mediastinum überschritten haben, infiltratives Wachstum oder Metastasen zeigen:
Tumorverkleinernde Operationen sind nicht indiziert.
Primärtherapie: Radio-/Chemotherapie.
Chirurgische Entfernung von Resttumor nach Primärtherapie ist nicht indiziert.

Nicht seminomatöse, maligne Keimzelltumoren:
Primärtherapie: Chemotherapie.
OI:  Resttumor im Mediastinum nach Chemotherapie, bei Patienten ohne Nachweis von Tumormarkern (AFP, ß-HCG).
SO:  Konventionelle (transsternale) Tumorexstirpation.

 

6.4.3.4.7 Mediastinale Lymphome

OI:  Maligne Lymphome.
SO:  Tumorbiopsie, mediastinoskopisch, thorakoskopisch oder parasternal.

 

6.4.3.4.8 Mediastinale neurogene Tumoren

OI:  Neurolemom, Neurofibrom.
SO: 

Konventionelle (transthorakale) Tumorexstirpation.
Nach neurochirurgischer Operation (gleiche oder 2. Sitzung), wenn ein in den Spinalkanal reichender Anteil vorhanden ist.

 

OI: 

Lokal begrenztes neurogenes Sarkom

SO: 

Konventionelle (transthorakale) Tumorexstirpation.

AT: 

Postoperative Bestrahlung.
Fortgeschrittenes neurogenes Sarkom:
Tumorverkleinernde Operationen sind nicht indiziert.

OI: 

Ganglioneurom.

SO: 

Konventionelle (transthorakale) Tumorexstirpation.
Alternative:
Thorakoskopische Tumorexstirpation.
Ganglioneuroblastom und Neuroblastom treten fast ausschließlich bei Kleinkindern auf. Ihre chirurgische Therapie erfolgt stadienabhängig in enger Zusammenarbeit mit den pädiatrischen Onkologen entsprechend dem jeweils gültigen Therapieprotokoll.

OI: 

Paragangliom.

SO: 

Konventionelle (transsternale/transthorakale) Tumorexstirpation.
Alternative wegen hohem Risiko bei hochgradiger Vaskularität oder fest mit der Aorta verbackenem Tumor:
Biopsie oder subtotale Resektion.
AT:  Postoperative Bestrahlung bei Malignität.

 

OI: 

Phäochromozytom.

SO: 

Konventionelle (transsternale/transthorakale) Tumorexstirpation.

 

6.4.3.4.9 Mediastinale mesenchymale Tumoren

OI:  Lipom.
SO: 
Thorakoskopische Tumorexstirpation.
Alternative:
Konventionelle (transthorakale) Tumorexstirpation

OI: 

Lokal begrenztes, die Nachbarorgane nicht infiltrierendes Liposarkom.

SO: 

Konventionelle (transthorakale) Tumorexstirpation.

AT: 

Nicht indiziert.

Fortgeschrittenes Liposarkom:
Tumorverkleinernde Operationen sind nicht indiziert.

OI: 

Hämangiom.
SO: 
Konventionelle (transsternale/transthorakale) Tumorexstirpation.
Bei fest mit Nachbarorganen verbackenem Tumor:
Subtotale Resektion.
AT:  Nicht indiziert.

Primäre benigne oder maligne Mediastinaltumoren fibrösen oder muskulären Ursprungs sind Raritäten. Ihre vollständige Resektion ist anzustreben. Tumorverkleinernde Eingriffe sind bei diesen Malignomen nicht indiziert.

 

6.4.3.4.10 Mediastinale Zysten

OI:  Zysten (bronchogen, gastroenterisch, mesothelial, perikardial, pleural).
SO: 
Konventionelle (transsternale/transthorakale) Zystenexstirpation.
Alternative:
Thorakoskopische Zystenexstirpation.

 
6.4.4 Aufklärung

Generelle Regel: siehe Kapitel 2.2.
Im Aufklärungsgespräch zu besprechen und im Aufklärungsbogen zu dokumentieren sind:

Allgemeine Komplikationsmöglichkeiten:

Ausweitung des Eingriffs:

Genehmigung zur Ausweitung des Eingriffs auf Nachbarorgane entsprechend dem intraoperativen Befund einholen. Einschränkung des Patienten, der Patientin exakt definieren.

Hinweis auf Fremdmaterial:

Der Patient ist auf die Möglichkeit hinzuweisen, dass in das Operationsgebiet eventuell Fremdmaterialien (Metall, Kunststoff) eingebracht werden, die auf einer Röntgenaufnahme sichtbar sind.


Zusätzlich bei:

Thorakoskopischen Eingriffen

Notwendigkeit zur Konversion auf das konventionelle Vorgehen.
Durch Einbringen der Trokare mögliche Verletzung von Lunge oder Gefäßen.

Resektion an der Lunge oder am Mediastinum

Beeinträchtigung der Lungenfunktion, Pneumothorax, Pneumonie, Pleuraerguss, Pleuraempyem, Lungenversagen, Lungenfistel, Bronchusstumpfinsuffizienz, Haut- und Weichteilemphysem.
Mediastinalemphysem, Mediastinitis, septische Allgemeinresektion, Multiorganversagen.
Verletzung des N. recurrens: Lähmung (temporär/permanent) mit Heiserkeit, Dyspnoe, Stridor, Tracheostoma.
Verletzung des N. phrenicus: Zwerchfellähmung, Verletzung des Grenzstranges: Horner-Syndrom.
Verletzung der Armnerven: Lähmung, Sensibilitätsausfall.
Verletzung der Speiseröhre: Fistel.
Verletzung der Trachea: Fistel, Tracheostoma.
Verletzung des Ductus thoracicus: Chylusfistel.
Osteomyelitis des Sternums.

Myasthenie

Keine Besserung der Symptomatik, Fortführen der medikamentösen Therapie.

Tumoroperation

Tumor möglicherweise nicht vollständig resezierbar, Rezidivtumor.
Bei geplanten Palliativeingriffen ist der Patient darauf hinzuweisen, dass durch den Eingriff der Tumor nicht oder nur unvollständig reseziert wird.


 
6.4.5 Generelle Operationstaktik

6.4.5.1 Kollare Mediastinotomie

Hautschnitt über dem Jugulum.
Stumpfe Darstellung des Tracheavorderraums.
Freipräparation des Tracheavorderraums bis zur Bifurkation.
Drainage.

 

6.4.5.2 Konventionelle transsternale Thymektomie

Thymus bei Myasthenie:
Obere Teilsternotomie.
Thymustumor:
Sternotomie.
Auslösen des Thymus und des parathymalen Fettgewebes von kaudal nach kranial.
Abpräparation der Ausläufer des perikardialen Fettes und des Thymus vom Perikard dorsal und von beiden mediastinalen Pleurablättern lateral.
Stumpfe Präparation des gesamten Gewebeblocks nach kranial.
Präparationsebene von kaudal nach kranial:
Perikard, V. cava superior, Aorta ascendens, Aortenbogen.
Durchtrennen der seitlich einstrahlenden Äste der A. mammaria interna.
Darstellung und Schonung beider N. phrenici.
Darstellung des rechten und linken oberen Thymushorns.
Durchtrennen der Ligamenta thyreothymica.
Ablösen des Thymus von der V. brachiocephalica.
Durchtrennen der in die V. brachiocephalica mündenden Thymusvenen.
Gegebenenfalls Nachresektion des an den Lungenhili, dorsal der N. phrenici und um den Abgang der großen Halsgefäße (Truncus, A. subclavia sinistra, A. carotis sinistra, V. brachiocephalica) verbliebenen Fett-Bindegewebes.
Darstellung und Schonung der N. recurrentes.
Drainage.


6.4.5.3 Thorakoskopische Thymektomie

Diagnostische Thorakoskopie (linksseitiger Zugang, 3-4 Trokare).
Identifikation des N. phrenicus.
Inzision der mediastinalen Pleura.
Ablösen des Thymus von der Hinterwand des Sternums.
Ablösen des linken unteren Thymushorns mit dem Fett-Bindegewebe vom Perikard.
Präparation in Richtung auf den rechten, unteren Thymusrand (rechte Pleura mediastinalis).
Ablösen des Gewebsbündels nach kranial vom Perikard, der V. cava superior, der Aorta ascendens und dem Aortenbogen.
Darstellen des Unterrandes der V. brachiocephalica.
Durchtrennen der einmündenden Thymusvenen.
Auslösen der oberen Thymushörner.
Bergen des Thymus in einem Endobag.
Drainage.


 
6.4.6 Postoperative Überwachung und Therapie

6.4.6.1 Überwachung

Übernahme vom Operationssaal oder von der Intensivstation und postoperative Überwachung nach Kapitel 2.1.

 

6.4.6.2 Chirurgische Therapie

Verbandskontrolle: täglich.
Magensonde: Am Operationstag entfernen.
Mobilisation: Am Abend des Operationstages bzw. der Extubation.

Mediastinaldrainage (Redon oder Robinson):
Ziehen der Drainage nach Rücksprache mit dem Operateur, wenn Fördermenge <20 ml.
Thoraxdrainage:
Fördermenge >100 ml/24 Stunden:
Thoraxdrainage belassen.
Fördermenge <100 ml/24 Stunden:
Lunge auskultatorisch ausgedehnt:
Thoraxdrainage 4 Stunden abklemmen.
Röntgenkontrolle:
Ergibt keinen oder minimalen Resterguss oder Pneumothorax.
Thoraxdrainage nach Rücksprache mit dem Operateur ziehen.
Lunge auskultatorisch nicht ausgedehnt:
Röntgenkontrolle:
Ergibt fortbestehenden Resterguss oder Pneumothorax.
Eventuell Sog an der Drainage erhöhen.
Nach 24-48 Stunden nochmals gleiches Vorgehen wie oben angegeben.
Röntgenkontrolle:
Ergibt fortbestehenden Resterguss oder Pneumothorax.
Individuelles Vorgehen:
Indikation für zusätzliche Drainage oder Operation abklären.

Thromboseprophylaxe nach Kapitel 2.5.
Infusionstherapie nach Kapitel 2.7.
Schmerztherapie nach Kapitel 2.8.
Entfernen der Hautfäden oder -klammern bis zum 9. postoperativen Tag.


Speziell bei:

Thymus bei Myasthenie

Alle Patienten werden postoperativ auf die Intensivstation der neurologischen Klinik verlegt und dort in enger Zusammenarbeit mit den Neurologen weiterbehandelt.

 

6.4.6.3 Onkologische Therapie

6.4.6.3.1 Postoperative (adjuvante oder additive) Radio- und/oder Chemotherapie

Thymom/Thymuskarzinom:

Nach R0-Resektion eines Thymoms im Stadium > I nach Masaoka:
Eine postoperative Radiotherapie ist indiziert.

Als Therapieschema wird empfohlen:

Strahlentherapie

Gesamtdosis

Fraktionierung

Bestrahlungsfeld

50,4 Gy

5 x 1,8 Gy / Woche

Tumorbereich + 2 cm Sicherheitsabstand

Nach R1-/R2-Resektion oder Biopsie eines Thymoms oder eines Thymuskarzinoms:
Eine postoperative Radiotherapie gefolgt von einer Chemotherapie ist indiziert.

Als Therapieschemata werden empfohlen:

Strahlentherapie

Gesamtdosis

Fraktionierung

Bestrahlungsfeld

R1: 59,4 Gy

R2: 66,6-72 Gy

5 x 1,8 Gy / Woche

5 x 1,8 Gy / Woche

Tumorbereich + 2 cm Sicherheitsabstand

Tumorbereich + 2 cm Sicherheitsabstand

Chemotherapie

Cortison in hoher Dosierung.


Übrige Mediastinaltumore:

Nach R0-/R1-/R2-Resektion oder Biopsie:
Die Entscheidung zur postoperativen Chemo- und/oder Radiotherapie ist individuell zu treffen (siehe Hinweise unter 6.4.3.4.4-9). Alle Patienten werden im pneumonologischen Kolloquium mit der Fragestellung vorgestellt, ob im speziellen Fall eine onkologische Therapie als sinnvoll erachtet wird.

Onkologische Therapie empfohlen:

Wird eine postoperative onkologische Therapie (Chemo- und/oder Radiotherapie) als sinnvoll erachtet, wird diese dem Patienten nach telefonischer Rücksprache mit dem Hausarzt/einweisenden Arzt angeboten. Ihre Durchführung erfolgt auf Wunsch des Hausarztes/einweisenden Arztes durch ihn selbst oder die onkologische Klinik (Innere II), die Strahlenklinik bzw. einen niedergelassenen Onkologen. Der Stationsarzt oder seine Vertretung vereinbart hierzu für den Patienten den ersten Vorstellungstermin.

Onkologische Therapie nicht empfohlen:

Erachtet der internistische Konsiliar eine postoperative Chemo- und/oder Radiotherapie als nicht sinnvoll, wird dem Patienten nach telefonischer Rücksprache mit dem Hausarzt/einweisenden Arzt vom Stationsarzt oder seiner Vertretung eine Immunmodulation angeboten. Ihre Durchführung erfolgt durch den Hausarzt/einweisenden Arzt.


 
6.4.7 Poststationäre Behandlung

6.4.7.1 Benigne Erkrankungen

Eine Behandlung oder Nachsorge erfolgt durch die Thoraxsprechstunde der Chirurgischen Klinik nur auf Wunsch des Hausarztes/einweisenden Arztes.
Bei Entlassung vor dem 9. postoperativen Tag erfolgt die Wundkontrolle sowie das Ziehen der Fäden nach telefonischer Rücksprache durch den Hausarzt/einweisenden Arzt.


6.4.7.2 Karzinome

Die Nachbetreuung aller Patienten wird durch die Thoraxchirurgische Sprechstunde der Chirurgischen Poliklinik der Charité koordiniert.


6.4.7.2.1 Postoperative Chemo- und/oder Radiotherapie

Das Therapieprotokoll wird von der behandelnden Einrichtung festgelegt.


6.4.7.2.2 Nachsorge

Eine systematische Nachsorge durch die Chirurgische Klinik erfolgt nur bei Patienten, die an Studien teilnehmen.
Die Nachsorge von Patienten, die nicht an klinischen Studien teilnehmen, erfolgt symptomorientiert unter der Regie des Hausarztes/einweisenden Arztes bzw. bei Patienten mit Chemo- und/oder Radiotherapie unter der Regie der weiterbetreuenden Einrichtungen. Sie bestimmen die Nachsorgefrequenz und -intensität. Die von ihnen erhobenen Befunde sind zur eigenen Qualitätskontrolle in regelmäßigen Abständen durch die Thoraxsprechstunde abzufragen und zu dokumentieren. Die Durchführung zusätzlicher Untersuchungen ist nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt gestattet.
Jeder Patient soll bei Verdacht auf Tumorrückfall in der Thoraxsprechstunde vorgestellt werden.


6.4.7.2.3 Studienpatienten

Siehe Studienprotokoll.